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Ass des Monats - März - Captain eric “Winkle” Brown
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Betrachtet man die Erfahrung, die er während seiner Entwicklungsjahre machte, so erkennt man schnell, dass Eric Melrose Brown für das Fliegen vorbestimmt war. Im Januar 1919 wurde Brown in Leith (nahe Edinburgh) in Schottland geboren. Sein Vater war während des ersten Welt Krieges Pilot des Royal Flying Corps und wechselte in die Royal Air Force nachdem diese gegründet worden war. Als junger Bursche konnte Brown, auf dem Schoß seines Vaters sitzend, so das Fliegen in dem offenen Cockpit eines Doppeldeckers selbst erleben. Als er 17 Jahre alt war begleitete er seinen Vater zu den Olympischen Spielen nach Berlin. Dort begegnete er Ernst Udet, einem Ass des Ersten Weltkrieges, und der Testpilotin Hanna Reitsch – Udet nahm Brown mit auf einen Flug, zeigt ihm einige Kunstflugmanöver und sagte ihm nach der Landung, dass er ein guter Jägerpilot werden würde und das er nicht nur das Fliegen, sondern auch fließend Deutsch lernen sollte. Brown schaffte in den folgenden Jahren beides.

Die Schule schloss Brown mit Bestnoten ab, nicht nur im Akademischen Teil, sondern auch im sportlichen. Er studierte anschließend Moderne Sprachen an der Universität von Edinburgh, wo er gleichzeitig auch das fliegen zu erlernen begann – zur Zeit seines Abschlusses war er Teil der Freiwilligen Reserve der RAF und hatte bereits um die 120 Stunden Erfahrung auf der Gloster Gauntlet gesammelt. 1938 kehrte er dank einer Förderung des Außenministeriums zurück nach Deutschland, wo er im Zuge eines Austauschprogrammes als Lehrer arbeitete. Als er im September 1939 erneut Deutschland besuchte, wurde er eines Morgens von zwei Mitgliedern der SS und einem Dolmetscher geweckt, welche ihn darüber aufklärten, dass sich Deutschland und England nun im Krieg befänden. Anschließend nahmen sie in Gewahrsam und befragten ihn für drei Tage.

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Nach seiner Freilassung kehrte er über die Schweiz zurück nach England und meldete sich bei der RAFVR zum Dienst – man erklärte ihm, dass die RAF über ausreichend Piloten verfüge, der Fleet Air Arm der Royal Navy aber Hände ringend nach Piloten suche. Trotz des Mangels und trotz seiner beeindruckenden Erfahrung musste Brown erneut die komplette Ausbildung der Royal Navy durchlaufen. Nach einem Monat Marinegrundausbildung in Gosport, begann Brown seine Flugausbildung auf Miles Magistern um später anspruchsvollere Ausbildungen zu erhalten. Es war während eines Fluges in einer Hawker Hart, als Brown zum ersten Mal erlebte, was Krieg bedeutet – er musste mit ansehen, wie einer seiner Mitschüler von einer jagenden Bf 110 getötet wurde. Noch bevor er seine Ausbildung auf der Gloster Gladiator abschloss, versuchte er ein Paar Heinkel He 111 anzugreifen; dazu kam es jedoch nicht, da eine der beiden einen direkten Treffer einer FlaK Granate in den Bombenschacht erlitt und beide Bomber in der darauf folgenden Explosion zerstört wurden.

Seinen Dienst begann Brown als Sub Lieutenant beim 802 Naval Air Squadron, wurde kurz darauf aber zum 801 NAS als Notfallersatz abkommandiert – ein Zufall, der ihm womöglich das Lebegerettet hat. Am Steuer einer Blackburn Skuas nahm er Teil an der Offensive in der Normandie und kehrte anschließend zurück zum 802 NAS, welches mit Grumman Martlets (der britischen Leih-Pacht-Variante der Wildcat) neu aufgestellt wurde, nachdem alle Gloster Gladiator bei der Versenkung der HMS Glorious verloren gingen.



Brown nahm Teil an einer Mission als Eskorte an Bord des Trägers HMS Audacity für einen Konvoy nach Gibraltar. Dies war sein zweiter Konvoy den er begleitete und während dieser Mission schoss er sein erstes gegnerisches Flugzeug, eine Fw 200 Condor, mit einem Frontalangriff ab. Kurz darauf schoss er eine weitere Fw 200 ab. Brown nahm ebenfalls an Aufklärungsmissionen Teil, deren Ziel U-Boote waren; er selbst griff zwei aufgeklärte U-Boote am 21. Dezember mit seinen Maschinengewehren an. Am selben Abend wurde die Audacity von U-751 versenkt, 73 Besatzungsmitglieder verloren ihr Leben, darunter auch zwei der neun Piloten des 802 NAS. Brown selbst verbrachte über drei Stunden im Wasser und litt an Hypothermie als man ihn endlich fand. Für seine Angriffe auf die beiden Fw 200 erhielt er das Destinguished Service Cross.

Nach einem Monat Fronturlaub, während dem er heiratete, wurde Brown im März 1942 erneut ein Pilot des reformierten 802 NAS, ausgestattet mit Sea Hurricanes und stationiert auf dem Stützpunkt RNAS Yeovilton. Im Mai wurde Brown nach Arbroath geschickt um dort Tests mit der Sea Hurricane durchzuführen. Man wollte erproben, ob sich die Sea Hurricane für die kurzen Decks der Begleitträger eigne. Für eine kurze Zeit wurde Brown Senior Pilot des 897 NAS, kehrte aber schon bald zu den Testflugtätigkeiten zurück, diesmal am Steuer einer Supermarine Seafire. Er sammelte nach und nach Erfahrung in der Welt der Testpiloten und konnte später eine große Zahl an geflogenen Flugzeugen vorweisen, darunter Swordfisch, Walrus, Oxford, Avenger, Barracuda, Firefly und Firebrand. Er war außerdem in die Tests für strahlantriebsunterstützer für den Flugzeugstart (RATO) involviert.



Im April 1943 wurde Brown dem 411 und 416 Geschwader unterstellt, womit er Teil von Wing Commander „Johnnie“ Johnsons No.144 Wing wurde, um ihnen das Landen auf einem Träger beizubringen – hier flog er ebenfalls Spitfire während Angriffen auf das besetzte Europa. Zum Ende des Jahres hin wechselte Brown sein Tätigkeitsfeld, er sollte von nun an tiefergehende Tests durchführen, sein erstes Flugzeug war die Short Stirling, die er bei Boscombe Down Tests unterzog. Doch schon kurz darauf bat man ihn darum, zu erproben, ob es möglich wäre die De Havilland Mosquito von einem Flugzeugträger zu starten. Neben seiner Tätigkeit als Testpilot für neue Flugzeuge, evaluierte Brown ebenfalls erbeutete Feindflugzeuge wie die Fw 190. Seine Einheit leistete auch Pionierarbeit bei Tests mit den Effekten der Komprimierung bei hohen Geschwindigkeiten.

Brown war einer der ersten Marinepiloten, die einen Strahlgetriebenen Jäger fliegen konnten und anschließend einen Hubschrauber. Im März 1944 wurde er geehrt indem man ihn zu einem Mitglied der Order of the British Empire machte. Im April 1945 wurde er der weltweit erste Pilot, der eine Landung und einen Start mit einem Flugzeug mit Bugradfahrwerk auf einem Träger erfolgreich durchführte. Es handelte sich dabei um eine modifizierte P-39. Die letzten Tage des Zweiten Weltkrieges verbrachte Brown beim Enemy Aircraft Flight, wo er erbeutete deutsche und italienische Flugzeuge testete. Brown war der einzige alliierte Pilot, der die Me 262, Me 163, Ar 234 und He 162 je flog. Er erprobte über 50 Flugzeuge der Achse und schrieb später das genaueste Buch über Vergleiche von Flugzeugen des Zweiten Weltkrieges überhaupt, „Duels in the Sky“. Seine vor Kriegs Erfahrungen in Deutschland, seine Fähigkeit die Sprache fließend zu sprechen und seine militärische Erfahrung führten dazu, dass er auch Teil des Kreises war, der die deutschen Luftfahrtingenieure, Piloten und hoch ranginge Offiziere während der Nürnberger Prozesse befragte.



Nach dem Krieg leistete Brown vor allem Pionierarbeit mit strahlgetriebenen Flugzeugen und Hubschraubern. Im Dezember 1945 war er erneut der erste, der einen strahlgetriebenen Jäger auf dem Deck eines Flugzeugträgers landete, es handelte sich dabei um die De Havilland Sea Venom und die HMS Ocean. Mittlerweile zum Lieutenant Commander befördert, setzte er seine Tätigkeit 1951 bei der US Navy fort, er war dort in die Tests für die Katapulttechnologie involviert. Er arbeitete in den späten 50ziger Jahren ebenfalls in Deutschland, an dessen Integration in die Nato. Nachdem er als Deputy Director of Naval Warfare arbeitete, wurde er endlich Naval Aide de Camp der Queen Elizabeth II. Brown trat 1970 als Captain seinen Ruhestand an.

Captain Eric Brown hält viele Weltrekorde im Bereich der Luftfahrt, darunter den Rekord für die meisten geflogenen Flugzeugtypen (487), den Rekord für 2407 Trägerlandungen auf See und 2721 Starts auf See. In seinen späteren Jahren schrieb er viele auf Flugzeuge und die militärische Luftfahrt bezogene Bücher und gab zahlreiche Vorlesungen. International war er sehr anerkannt und so verlieh man ihm Ehrenbekundungen aus den verschiedensten Ländern, darunter auch aus den USA und Russland. Er war bis zu seinem Lebensende ein äußerst charismatischer Sprecher, doch auch von „Winkle“ Brown (kurz für Periwinkle, einer kleinen Seeschnecke, da er recht klein war) musste die Welt am 21. Februar 2016 Abschied nehmen.

Mark und Joe vom War Thunder Autorenteam hatten beide das Glück mit ihm in seinen letzten Jahren in Kontakt zu kommen – trotz seines Status als lebende Legende fand er stets Zeit sich mit Enthusiasten der Luftfahrt auf einer persönlichen Ebene auszutauschen. Er wird stets als einer der größten Piloten in der Geschichte der Testflieger in Erinnerung bleiben.


Über den Autor

Mark Barber, historischer Berater bei War Thunder

Mark Barber ist Pilot bei den Luftwaffenverbänden der Royal Navy des Vereinigten Königreichs. Sein erstes Buch wurde von Osprey Publishing 2008 verlegt. In der Zwischenzeit hat er einige weitere Titel für Osprey geschrieben und auch Artikel in verschiedenen Magazinen, z.B. im Luftfahrtmagazin "Flypast", veröffentlicht.  Sein Hauptinteresse gilt der britischen Marinefliegerei im Ersten und Zweiten Weltkrieg und der Geschichte des RAF Fighter Command im Zweiten Weltkrieg. Für Gaijin Entertainment ist er als historischer Berater tätig und darüber hinaus in den historischen Bereichen des War Thunder Forums aktiv. Regelmäßig schreibt er die Artikel zum "Ass des Monats".


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