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Major Heinz-Wolfgang Schnaufer
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'Bf 110C-4, NJG 1 der Luftwaffe. Arnheim, Niederlande, Herbst 1940',
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Heinz-Wolfgang Schnaufer wurde am 16. Februar 1922 als ältestes Kind von Alfred Schnaufer, einem Weinhändler, in Calw, Baden-Württemberg, geboren. Der junge Heinz-Wolfgang galt als sehr intelligent und physisch robust; ein begabter Akademiker, der auch zwischen Gleichaltrigen durch seine sportlichen Erfolge hervorstach. Seine zukünftige Karriere war möglicherweise schon früh festgelegt – denn schon als Junge wollte er dem Jungvolk der Hitlerjugend beitreten und im Segelflieger sitzen. Seine Mitgliedschaft beim Deutschen Jungvolk und seine Liebe zum Segelfliegen zeichneten damit seinen Weg zu einer Karriere im deutschen Militär und in der Luftfahrt vor.

Heinz-Wolfgang Schnaufer

Mit einem starken akademischen Hintergrund war es keine Überraschung, als er die Aufnahmeprüfung zum Offiziersanwärter bestand und kurz vor seinem achtzehnten Geburtstag im November 1939 der Luftwaffe beitrat. Nach seiner Grundausbildung begann er das Fliegen im April 1940. Nachdem er ein Jahr später Leutnant wurde, wurde er zum Training ausgewählt, um die mehrmotorige Jagdmaschine – einem 'Zerstörer' im Luftwaffenjargon – Bf 110 zu fliegen.

Im April 1941 waren die erfolgreichen Tage der Bf 110 aber lange gezählt; die Nachteile des Flugzeugs waren bekannt und es hatte als Tagjäger kaum noch Vorteile. Da jedoch die Bedrohung durch die regelmäßigen Nachtangriffe des Bomber Commands der Royal Airforce eine wachsende Bedrohung wurden, zeigte sich die Bf 110 als adäquates Mittel und Schnaufer ließ sich zum Nachtjagdpiloten fortbilden. Endlich, im November 1941, kam Schnaufer als fertig ausgebildeter Pilot zur II. Gruppe des Nachtjagdgeschwaders 1, kurz II./NJG 1. Durch eine Periode schlechten Wetters bis zum Winter 41/42 jedoch konnte Schnaufer nur wenige Einsätze fliegen.

Schnaufers Gruppe wurde nach Koksijde in Belgien im Februar 1942 verlegt und er war an dem gewaltigen Luftschirm beteiligt, der die beiden Schlachtschiffe Scharnhorst und Gneisenau und den schweren Kreuzer Prinz Eugen während Unternehmen Cerberus, dem sogenannten Kanaldurchbruch, schützte. Nachdem er zum Stab seiner Gruppe versetzt wurde, schoss Schnaufer in der Nacht vom 1. zum 2. Juni 1942 sein erstes Flugzeug ab – ein viermotoriger Bomber Handley Page Halifax. Als er einen zweiten Bomber angreifen wollte, wurde er durch Abwehrfeuer am Bein verwundet, verlor die Kontrolle über das Ruder und eine der Motoren fing Feuer. nachdem er den Brand erfolgreich löschen konnte, kehrte er zu seinem Fliegerhorst zurück. Dort wurden er und sein Funker mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse für ihren ersten Luftsieg ausgezeichnet.

Funk-Zentrale für die Nachtjäger

Nachdem er sich von seiner Verwundung erholt hatte, begann bald Schnaufers Erfolgsserie. In der Nacht des 1. August schoss er zwei Vickers Wellington und eine Armstrong Whitworth Withley in weniger als einer Stunde ab und wurde dadurch mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse ausgezeichnet. Am Ende des Monats – durch das neue “Lichtenstein” Radar unterstützt – schoss Schnaufer seinen fünften Bomber ab und wurde dadurch zum Fliegerass; Ende 1942 hatte er sieben Abschüsse auf dem Punktekonto. Da Rumpelhardt durch Krankheit und Fortbildungskurse fast das ganze Jahr 1943 abwesend war, flog Schnaufer mit einigen anderen Funkern. Seine Fachkompetenz wuchs mit jeder Mission, aber auch seine Abschusszahlen stiegen. In der Nacht vom 29. zum 30. Mai errang er wieder drei Luftsiege in einem Ausflug – und wiederholte diesen Erfolg am 29. Juni. Mit siebzehn Nachtabschüssen wurde Schnaufer am 1. Juli zum Oberleutnant befördert.

Im nächsten Monat wurde Schnaufer zur IV. Gruppe des NJG 1 versetzt und operierte von Leeuwarden in den Niederlanden aus. Er wurde Staffelkapitän der Einheit und wurde kurz darauf mit dem Deutschen Kreuz in Gold ausgezeichnet. Die Standardoperationsmethoden der Nachtjäger wurden ständig weiterentwickelt, und Bf 110 Nachtjagdbesatzungen wie die von Schnaufer bekamen einen zusätzlichen MG-Schützen. Die nächste Stufe der Entwicklung wurde extremer – Schnaufer war einer der ersten Piloten, die das neue Waffensystem “Schräge Musik” in der Nachtjagd einsetzten. Maschinenkanonen wie das MG FF oder MG 151/20 u.a., die nach schräg oben in Flugrichtung feuerten, um den vermeintlich dort durch MGs ungeschützten Rumpf der feindlichen Bomber zu treffen.

"Lichtenstein" UHF-Band
Kathodenstrahlanzeige

In der Nacht vom 31. Dezember, nun wieder zusammen mit seinem Funker Rumpelhardt, schoss Schnaufer sein 42. Feindflugzeug ab und wurde mit dem Ritterkreuz des Eisernen kreuzes ausgezeichnet. Schnaufer war jedoch gezwungen eine Pause einzulegen, da er an einer Blinddarmentzündung litt. Als sich seine Operationsnähte öffneten, musste Schnaufer sogar länger als geplant aussetzen und auf Erholung warten. Im März 1944 kehrte er zum Frontdienst als Gruppenkommandeur der IV./NJG 1 zurück und wurde im Mai zusätzlich zum Hauptmann befördert. Am 25. Mai schoss er fünf feindliche Bomber in einer Nacht ab. Vier weitere Abschüsse am 22. Juni brachten ihm die Verleihung des Eichenlaubs zu seinem Ritterkreuz ein. Aber in weniger als einem Monat erhielt er zudem – persönlich von Adolf Hitler verliehen – noch die Schwerter dazu, gleichzeitig wurden sein Funker und der MG-Schütze mit dem Ritterkeuz ausgezeichnet. Das Trio wurde damit zur höchst ausgezeichneten Flugzeugbesatzung der Geschichte der Nachtjäger. In der Nacht vom 9. Oktober schoss Schnaufer sein 100. Flugzeug ab – er wurde daraufhin mit dem Eichenlaub mit Schwertern und Brillanten zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet.

Mit 22 Jahren – und mit dem Verlegen der Nachtjägerstützpunkte, die der Vormarsch der Alliierten verursachte – wurde Schnaufer der jüngste Geschwaderkommodore der gesamten Luftwaffe und übernahm den Befehl über das NJG 4 Ende November. Am Ende des Jahres 1944 hatte er 106 Luftsiege zu verzeichnen und überholte damit Helmut Lent als den erfolgreichsten Nachtjagdpilot der Geschichte. Im Februar informierte ihn Herman Göring, dass er Inspekteur der Nachtjäger werden sollte, aber Schnaufer lehnte mit der Bitte ab, bei den Frontverbänden bleiben zu dürfen. Seinen größten Erfolg verzeichnete er wohl am 21. Februar 1945 – er schoss bei seinem ersten Ausflug zwei Avro Lancaster Bomber ab; nach einem zweiten Start spät am Abend schoss er weitere sieben Lancaster innerhalb von 19 Minuten ab – damit schoss er innerhalb von 24 Stunden neun Bomber ab. Seinen letzten Abschuss verzeichnete er am 8. März – sein 121. Luftsieg.

Während des Tests der Dornier Do 335 zur Tauglichkeit als Nachtjagdflugzeug wurde Schnaufer von vorrückenden britischen Truppen im Mai 1945 gefangen genommen. Er wurde mit großem Interesse von der RAF verhört bevor er entlassen wurde. Nach dem Waffenstillstand kehrte Schnaufer nach Hause zurück um seiner Mutter im Weingeschäftder Familie zu helfen. Bei einer Dienstreise in Frankreich im Juli 1950 war Schnaufer in einem Autounfall bei Bordeaux verwickelt. Er blieb zwei Tage ohne Bewusstsein und verstarb am 15. Juli mit 28 Jahren. Mit nur 1100 verzeichneten Flugstunden war Heinz-Wolfgang Schnaufer der erfolgreichste Nachtfliegerass in der Luftfahrtgeschichte.


Über den Autor

     

Mark Barber, historischer Berater bei War Thunder

Mark Barber ist Pilot bei den Luftwaffenverbänden der Royal Navy des Vereinigten Königreichs. Sein erstes Buch wurde von Osprey Publishing 2008 verlegt. In der Zwischenzeit hat er einige weitere Titel für Osprey geschrieben und auch Artikel in verschiedenen Magazinen, z.B. im Luftfahrtmagazin "Flypast", veröffentlicht.  Sein Hauptinteresse gilt der britischen Marinefliegerei im Ersten und Zweiten Weltkrieg und der Geschichte des RAF Fighter Command im Zweiten Weltkrieg. Für Gaijin Entertainment ist er als historischer Berater tätig und darüber hinaus in den historischen Bereichen des War Thunder Forums aktiv. Regelmäßig schreibt er die Artikel zum "Ass des Monats".


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