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Oberleutnant Ludwig Franz Stigler
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'Bf 109 G-6 von Franz Stigler bei der Eskorte einer B-17', Tarnanstrich der Bf 109 von LoneWolfSones | hier herunterladen


Ludwig Franz Stigler wurde als jüngster von zwei Söhnen von Franz Stigler am 21. August 1915 in Regensburg geboren. Stigler beschrieb seine Eltern als sehr einflussreich: seine Mutter war sehr streng und unterzog ihn einer katholischen Erziehung, während sein Vater eher zwanglos und ein liebenswürdiger und warmherziger Mann war. Seinen Vater verehrend, der Aufklärungspilot in Ersten Weltkrieg war, machte Stigler seinen zweiten Vornamen Franz zum Rufnamen.
 

Oberleutnant Franz Stigler

Nach dem Krieg fand Stiglers Vater Arbeit als Pferdeverwalter auf einem Anwesen. Er begegnete Pater Josef, einen katholischen Priester, der Jagdflieger im Ersten Weltkrieg war. Die beiden Männer eröffneten eine Segelflugschule für Kinder der Umgebung. Sie wählten den von Alexander Lippisch konstruierten Segelflieger “Zögling” für ihre Schule aus. Im Sommer 1927 flog der junge Franz Stigler mit nur 12 Jahren das erste mal mit einem Segelflieger.
 

Mit Entsetzen sah sein Vater wie das Segelflugzeug dabei heftig die Nase hochwarf und Richtung Himmel schoss bevor es abstürzte und auf dem Boden aufschlug. Stiglers Vater rannte panisch zur Absturzstelle, fand seinen Sohn aber lebend und unversehrt vor. In Tränen ausbrechend und seinen Sohn umarmend bat er seinen Sohn um Verzeihung, als er realisierte dass er vergessen hatte Gegengewichte im Flugzeug zu verteilen, um das leichte Gewicht des Piloten auszugleichen. Der Gleiter wurde repariert und Stigler flog dann unbeirrt seinen Erstflug ohne Probleme.
 

Zur Freude seiner Mutter begann Stigler eine Ausbildung zum Priester, aber im Alter von 17 hatte er eine Beziehung mit einer Tochter eines Brauereimeisters. Es war nun ersichtlich, dass das Priesteramt für Stigler nicht geeignet war. Er wollte fliegen und begann eine Ausbildung zum Flugzeugingenieur an der Universität, die er aber abbrach um sich voll und ganz auf das Fliegen zu konzentrieren. Er qualifizierte sich als Verkehrspilot und flog vier Jahre für die Lufthansa und sammelte dort 2000 Flugstunden an Erfahrung an. 1937 bekam Stigler den Befehl Piloten für die Luftwaffe auszubilden. Dies beinhaltete auch einen Einsatz im Spanischen Bürgerkrieg, wo er Nachschub für die Nationalisten abwarf, um sie im Kampf zu unterstützen.
 

Stigler genoss seinen Beruf als Fluglehrer. Einer seiner Schüler war der junge Gerhard Barkhorn. Dennoch war er der Ansicht als Zivilist nicht genügend Autorität gegenüber einigen seiner Schüler vom Militär zu haben und heuerte so bei der Luftwaffe an. Als ein sehr erfahrener Pilot wurde er bald zum Unteroffizier befördert. Anfang 1939 trainierte Stigler sogar seinen älteren Bruder August, der Bomberpilot wurde. Jedoch war Franz um seinen Bruder besorgt, da er sich offen gegen die Nazis aussprach und damit der Tradition der Eltern folgte, welche beide gegen Hitlers Aufstieg zur Macht gewesen waren. Die Pilotenkarriere von Franz Stiglers Bruder war leider nur von kurzer Dauer: im Oktober 1940 stürzte August mit seiner Ju 88 bei Start ab. Der Verlust seines Bruders wühlte Franz Stigler auf und machte ihn verbittert und er meldete sich schließlich zum Dienst an der Front.
 

Die Besatzung der B-17F "Ye Olde Pub"

Nachdem er als Jagdpilot akzeptiert wurde, wurde Stigler zum Feldwebel befördert und zum Jagdgeschwader 27 in Nordafrika versetzt, wo er Bf 109 Fs fliegen sollte, und kam dort im Frühling 1942 an. Obwohl er schon über 4000 Flugstunden angesammelt hatte, war seine erste Feindbegegnung ein Desaster: Stigler wurde panisch als er in den Kampf mit P-40 Jagdflugzeugden der Royal Airforce geriet, ließ seinen Schwarmführer im Stich und floh. Trotzdem gratulierte ihm sein Vorgesetzter Gustav Rödel, ein Fliegerass mit 37 bestätigten Abschüssen zu der Zeit, zu seinem ersten Feindflug. Stigler antwortete dass er glücklich wäre Rödel zu seinem letzten Abschuss zu gratulieren, aber zuerst müsse er seine Hosen wechseln. Bald wurde Stigler dem legendären Fliegerass der Luftwaffe Hans-Joachim Marseille vorgestellt. Marseille gefiel ihm sofort und er bewunderte ihn und fand andere Flieger des JG 27 sehr viel weniger faszinierend.
 

Am 31. Mai machte Stigler seinen ersten Abschuss, eine P 40. Nach der Landung wurde er von Rödel getadelt nachdem er grinsend aus dem Cockpit stieg. Der Veteran Rödler machte ihm klar, dass ihre Einheit 3 Piloten im selben Luftkampf durch die RAF verloren hatten und es deshalb nichts zu feiern gäbe. Kurz nachdem Stigler das erste mal abgeschossen wurde, wurde er von örtlichen Beduinen mit dem Kamel zu seinem Feldflugplatz zurückgebracht. Ende Juli hatte er schon fünf britische Flugzeuge abgeschossen und wurde dadurch zum Ass. Wie sein Vorbild Rödel verzichtete er auf anbringen von Abschussmarken auf seinem Flugzeug. Es war lediglich ihr Beruf, eine Teamarbeit und Ruhmerlangung war nicht das Ziel. Jedoch wurde Stigler aufgetragen Abschussmarken an seinem Flugzeug anzubringen, als Fotografen die Heldentaten des Jagdgeschwaders 27 dokumentieren sollten. Schließlich kehrte Stigler im September 1942 nach Deutschland zurück, um eine Pause vom Einsatz zu machen.
 

Nach den Kämpfen in Nordafrika wurde Stigler in den Kämpfen um Sizilien eingesetzt. Er verzeichnete immer mehr Abschüsse und bis April 1943 hatte er insgesamt 17 Luftsiege zu verzeichnen. Noch im selben Monat traf er das erste Mal Adolf Galland. Eigentlich war das Treffen als Rüge gedacht, da Stigler eher Jagdflugzeuge als Bomber verfolgte, aber nachdem sie Taktiken diskutierten und über ihre Erfahrungen im Spanischen Bürgerkrieg sprachen, ging das Treffen ohne Zwist aus. Während seiner Zeit auf Sizilien wurde Stigler auch von der Gestapo befragt, da die Katholische Kirche in Deutschland Kritik an den Nationalsozialisten übte und Verbindungen zu seinem Bruder aufgedeckt wurden.
 

Charlie Brown und Franz Stigler, 2008

Im August wurde Stigler nach Deutschland zu den Verbänden der Reichsverteidigung versetzt, um die Tagangriffe durch die US Army Air Force zu bekämpfen. Am 20 Dezember 1943 war er in einem Zwischenfall involviert, welcher erst Jahrzehnte später berühmt werden sollte: auf ihrer ersten Mission, einem Angriff auf eine Rüstungsfabrik im Raum Bremen, wurde die B-17 “Ye Olde Pub” der 379th Bomb Group durch deutsche Flak und Jagdflugzeuge schwer beschädigt. Mit einem ausgefallenen und mehreren beschädigten Motoren, einem halb zerstörten Seitenleitwerk, einem verlorenen Höhenleitwerk, einer völlig zerstörten Bugkanzel und 9 Verletzten und einem Toten an Bord wurde der Bomber von Stigler abgefangen. Dieses vermeintlich leichte Opfer wäre für Stigler der Abschuss gewesen, den er zur Verleihung des Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes noch benötigt hätte. Doch Stigler erkannte die Notlage der amerikanischen Flieger und zeigte Erbarmen: anstatt den Bomber abzuschießen, schlug er einen Parallelkurs ein und versuchte dem Piloten zu signalisieren, dass er landen sollte. Als die Amerikaner ablehnten, versuchte er ihnen vorzuschlagen, dass sie ins neutrale Schweden fliegen mögen, doch auch dies wurde abgelehnt. Jedoch begleitete er die Maschine bis zum Erreichen der Nordsee, salutierte und betete kurz für die Gegner und flog schließlich zu seinem Stützpunkt zurück.
 

Im Januar 1944 wurde Stigler befördert und bekam den Befehl über eine eigene Staffel im JG 27 und operierte von Graz in Österreich aus. Er nahm sich viel Zeit seinen Piloten beizubringen, dass das Überleben wichtiger ist als Abschüssen hinterher zu jagen. Die Punkte zur Voraussetzung um das Ritterkreuz zu erlangen wurden in der Zwischenzeit erhöht, aber das kümmerte Stigler nicht mehr. Er fuhr mit seiner Pflicht trotzdem weiter tapfer fort, aber rechnete seine Abschüsse den ihm untergebenen Piloten an, um ihr Selbstvertrauen zu stärken. Im Oktober wurde Stigler durch ein 12,7-mm-Geschoss am Kopf verwundet. Sein Überleben kam einen Wunder gleich, jedoch musste er am Boden bleiben, da er ein Schädel-Hirn-Trauma erlitt.
 

Später kümmerte er sich um seine Mutter die kurz zuvor Witwe wurde, aber im Januar 1945 kehrte Stigler zu den Jagdfliegern zurück und wurde auf den Düsenjäger Me 262 umgeschult. Nach der Umschulung kehrte er kurz zum Ausbildungsbetrieb zurück bevor er seine letzten Tage im Krieg beim Jagdverband 44 unter Adolf Galland, dem “Verband der Experten”, verbrachte. Die Aufzeichnungen seiner Einheit ergaben, dass Stigler mindestens vier US Bomber in der Me 262 abgeschossen hatte, aber seine genauen Abschusszahlen lassen sich nicht mehr feststellen, da er selber seine Abschüsse für sich nicht mehr beanspruchte. Im Mai 1945 floh Stigler schließlich mit seiner Me 262 und ergab sich den amerikanischen Streitkräften.
 

Nach dem Krieg lebte Stigler noch einige Zeit in Deutschland bevor er 1953 mit seiner Frau nach Kanada auswanderte. Er arbeitete dort als Mechaniker bei einem Holzfällerunternehmen. Nachdem das Ehepaar Stigler eine Tochter bekam, wurde die Ehe 1954 geschieden. Doch Franz Stigler heiratete wieder und kehrte zur Fliegerei zurück: er kaufte eine Messerschmitt Bf 108 und strich sie wie seine alte Bf 109 an, um den “Bösewicht” auf Flugschauen zu spielen. 1990 traf er Charlie Brown, der Pilot der B-17, die Stigler 1943 verschonte. Die beiden blieben Freunde bis zu Stiglers Tod am 22. März 2008.
 


Über den Autor

     

Mark Barber, historischer Berater bei War Thunder

Mark Barber ist Pilot bei den Luftwaffenverbänden der Royal Navy des Vereinigten Königreichs. Sein erstes Buch wurde von Osprey Publishing 2008 verlegt. In der Zwischenzeit hat er einige weitere Titel für Osprey geschrieben und auch Artikel in verschiedenen Magazinen, z.B. im Luftfahrtmagazin "Flypast", veröffentlicht.  Sein Hauptinteresse gilt der britischen Marinefliegerei im Ersten und Zweiten Weltkrieg und der Geschichte des RAF Fighter Command im Zweiten Weltkrieg. Für Gaijin Entertainment ist er als historischer Berater tätig und darüber hinaus in den historischen Bereichen des War Thunder Forums aktiv. Regelmäßig schreibt er die Artikel zum "Ass des Monats".


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