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Die A6M2-N 'Rufe'
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'A6M2-N der 802. Kokutai' Tarnanstrich von gudkarma | hier herunterladen


Als eine der Ikonen unter allen je gebauten Marinejägern und als einer der meist gefürchteten Jäger in der Anfangszeit des Krieges, ging die Mitsubishi A6M „Zero“ als Legende in die Geschichte der Luftfahrt ein, da sie eine unglaublich erfolgreiche Kombination aus Gewandtheit, phänomenaler Reichweite und Feuerkraft besaß. Doch sie auch negative Aspekte, trotz derer sie von vielen Piloten und Militärhistorikern als der beste Marinejäger der frühen 1940er Jahre bezeichnet wird. Wer also würde einem solch genialen Stück Ingenieurskunst ein Paar schwere, hässliche und sperrige Pontons annieten?

 

Eine A6M2-N während des
Guadalcanal-Feldzugs

Genau damit jedoch beauftragte man den Flugzeugbauer Nakajima im Jahre 1941. Ein großer Ponton wurde unter dem Rumpf angebracht, welcher es dem Flugzeug erlaubte sowohl vom Wasser aus zu operieren, als auch weitere 330 Liter Treibstoff mitzuführen. Zusätzlich brachte man unter jedem Flügel einen Ponton zur Stabilisierung an. Diese drei Pontons hatten einen offensichtlich negativen Effekt auf die aerodynamischen Eigenschaften des Flugzeugs und so wurden Seitenleitwerk und Heckflügel vergrößert. Aus diesen doch recht drastischen Änderungen am originalen Design resultierte aber die Notwendigkeit die Struktur des Flugzeuges zu festigen und zu versteifen. Letzten Endes hatte man nun also einen Jäger, der nicht nur bedeutend langsamer und wohl auch weniger wendig war, sondern, durch den erhöhten Luftwiederstand und das hinzugefügte Gewicht, auch einen deutlich geringeren Eisatzradius besaß; der zusätzliche Treibstofftank, der den Abwurftank ersetzte, konnte dies nicht ausgleichen.

 

Warum also sollte man den Aufwand des Umbaus überhaupt betreiben? Einer der früheren Artikel beschäftigte sich mit dem strategischen Vorteil von Flugbooten, welche über ein Katapult von Kriegsschiffen, ohne zusätzliches Flugdeck, gestartet werden konnten. Dies jedoch war nicht der ursprüngliche Plan, als die japanische Marine ihren Auftrag an Nakajima übergab. Der pazifische Ozean hat die größte Fläche aller Meere und stellt somit ein wahrlich großes Einsatzgebiet dar, das selbst für die originale A6M, und viele andere japanische Marineflugzeuge auch, zu groß war. Selbst mit ihrer beeindruckenden Trägerflotte war die japanische Marine nicht in der Lage Jäger im gesamten Gebiet einzusetzen.

 

Darüber hinaus waren sowohl die Luftstreitkräfte der Marine als auch der Armee sehr limitiert in der Auswahl von Inseln, von welchen sie in der Lager waren landgestützte Jäger zu starten. Es wurden eine ausreichend große Fläche für eine Rollbahn und ein bearbeitbarer Untergrund mit möglichst geringer Neigung benötigt. Die neuen A6M2-N, von den Alliierten mit dem Codenamen „Rufe“ versehen, folgten einer in der militärischen japanischen Luftfahrt bereits bestehenden Tradition: die Nutzung von Flugbooten in Arealen, in denen die Nutzung von landgestützter Flugzeuge nicht möglich war. Seien es geschützte Küstenlinien oder Lagunen, solange die See ruhig genug war konnte die „Rufe“ sowohl abheben als auch landen. Flugfelder oder Träger wurden nicht benötigt, nur ruhige See und genügend Platz um Zelte für die Flugzeugbesatzung und die Bodencrew aufzustellen.

 

Die Einsatzgeschichte der „Rufe“ bei der japanischen Marine begann 1942; bis die Produktion im September 1943 eingestellt wurde folgten dem Prototypen 326 weitere Exemplare. Möglicherweise hätte man mehr hergestellt, doch der „Rufe“ wurde niemals Priorität gegeben, da man bereits an einem, speziell für den Einsatz als Flugboot geplanten, weiteren Jäger arbeitete um sie zu ersetzen – sie stellte von Anfang an eine Notlösung dar.

 

Wrack einer A6M2-N bei einer US-Basis

Von den Aleuten bis zur Salomonensee und den Marschallinseln, die „Rufe“ war weit davon entfernt eine selten angetroffene Kuriosität zu sein. Alliierten Flugzeugbesatzungen in einigen Bereichen des Pazifiks war dieses anpassungsfähige Jagdflugzeug wohl bekannt und sie wurde regelmäßig zur unvorhergesehenen Gefahr für alliierte Bomber. Sie wurde, mit ihren zwei Kanonen und zwei zusätzlichen 60 Kg Bomben aber auch zum Angriff auf leicht gepanzerte Schiffe oder Bodenziele eingesetzt.

 

Die Aufzeichnungen zur Effektivität der „Rufe“ unterscheiden sich bezogen auf den Einsatz gegen andere Jäger. Obwohl man die Argumente bezüglich der reduzierten Geschwindigkeit und Manövrierbarkeit keinesfalls von der Hand weisen kann, so sind sich Historiker der Nachkriegszeit uneins: einige Historiker behaupten, dass die „Rufe“ nur gegen gegnerische Bomber erfolgreich eingesetzt werden konnte, während andere Autoren die Gewandheit mit der der „Zero“ gleich setzen. So oder so, es gibt Aufzeichnungen über bestätigte Abschüsse der „Rufe“ , die von ihren Gegnern schnell auf die leichte Schulter genommen wurde.

 

Und doch, trotz einiger Erfolge die sie verbuchen konnte, so ist der Einsatzwert doch umstritten. Zu einer Zeit, in der die deutlich leistungsfähigere A6M2 bereits Probleme bekam mit der neuen Generation alliierter Flugzeuge und Taktiken, war die durch ihre Pontons noch weiter behinderte „Rufe“ in einer noch schlechteren Position. Als wäre dies nicht schon genug, so hatte die „Rufe“ und ihre, ebenso durch Pontons behinderten, Flugboot-Geschwister noch einen weiteren Gegner, vor dem normale Flugzeuge weit besser geschützt waren: wenn brutale Tropenstürme durch den Pazifik tobten, so konnte ihnen kein Hangar und kein Hangardeck eines Trägers Schutz bieten. Schutzlos ausgeliefert verlor man nicht weniger als 10% aller „Rufe“ an Stürme.

 

Und doch war es besser überhaupt einen Jäger mit Einschränkungen bereit stehen zu haben als ein Gebiet gänzlich ohne Schutz durch Jäger zu lassen – so konnte die „Rufe“ nicht nur Bomberformationen zum Abdrehen zwingen, sondern auch eine respektable Anzahl von bestätigten Abschüssen verbuchen. Ein Pilot der Einheit NA2/C, Eitoku Matsunaga, konnte 8 bestätigte Abschüsse für sich verbuchen während er die „Rufe“ und ihren Nachfolger, die Kawanishi N1K1, flog. Stabsfeldwebel Kiyomi Katsuki erlangte 16 Abschüsse über die Dauer des Zweiten Weltkrieges, sieben davon in Flugbooten.

 

Alles in Allem war das Flugboot ein brauchbares Konzept, dessen volles Potential nur durch die japanische Marine wirklich ausgenutzt wurde, und das trotz seiner Limitierungen seinen Wert bewies und Erfolge zeigte. Wenn ihr also das nächste Mal eine eher bizarre Modifikation eines berühmten oder erfolgreichen Flugzeuges in War Thunder entdeckt und euch fragt: „Warum um alles in der Welt haben sie das gemacht?“ dann erinnert euch, dass im echten Leben viele wichtige Faktoren eine Rolle spielen, deren Wichtigkeit in einem Computerspiel nur bedingt hervorgehoben werden können. Es gibt normalerweise viele gute Gründe, einem sonst wundervollen Flugzeug so etwas furchtbares, wie das Anbringen von Pontons, anzutun. Sie wird euch wohl aber dennoch nur selten eine Hilfe beim Erobern eines Flugplatzes in Arcade sein…



Über den Autor

     

Mark Barber, historischer Berater bei War Thunder

Mark Barber ist Pilot bei den Luftwaffenverbänden der Royal Navy des Vereinigten Königreichs. Sein erstes Buch wurde von Osprey Publishing 2008 verlegt. In der Zwischenzeit hat er einige weitere Tite für Osprey geschrieben und auch Artikel in verschiedenen Magazinen, z.B. im Luftfahrtmagazin "Flypast", veröffentlicht.  Sein Hauptinteresse gilt der britischen Marinefliegerei im Ersten und Zweiten Weltkrieg und der Geschichte des RAF Fighter Command im Zweiten Weltkrieg. Für Gaijin Entertainment ist er als historischer Berater tätig und darüber hinaus in den historischen Bereichen des War Thunder Forums aktiv. Regelmäßig schreibt er die Artikel zum "Ass des Monats".


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